Termersetzungssysteme
Bereich: III, Vorlesung: 3 Std.
Zeit & Ort: Mi 12:15 - 13:00 N1080, Do 8:30 - 10:00 in 2770.
Beginn: 5.11.97
Inhalt:
Das Rechnen mit Gleichungen ist eine der wichtigsten mathematischen
Techniken. In der Informatik bauen zum Beispiel ganze Gebiete wie höhere
Programmiersprachen und -umgebungen, Programmspezifikation und -verifikation,
Theorembeweisen und Symbolische Algebra direkt auf Gleichungskalkülen auf.
Termersetzungssysteme sind Mengen von gerichteten Gleichungen, die
als Reduktionsregeln interpretiert werden. Ziel der Vorlesung ist es, sowohl
die Grundlagen der Gleichungslogik als auch die wichtigsten Algorithmen zur
Manipulation von Termen, Gleichungen und Ersetzungsregeln einzuführen.
- Abstrakte Reduktionssysteme
- Abstrakte Reduktionssysteme
Grundlegende Definitionen:
reflexive, transitive, symmetrische Hüllen;
Termination, Konfluenz, Church-Rosser.
Satz: Church-Rosser gdw Konfluenz.
Satz: Äquivalenz ist für konvergente Reduktionen durch
Vergleich von Normalformen entscheidbar.
- Fundierte Induktion
Satz: Fundierte Induktion gilt gdw die Reduktion terminiert.
Königs Lemma.
- Terminationsbeweise
Einbettung in (N,>). Satz: Endlich verzweigte
Reduktionen terminieren gdw sie in (N,>) einbettbar sind.
- Lexikographische Ordnungen
Lexikographisches Produkt von Ordnungen.
Satz: Lex. Produkt terminiert gdw die Komponenten terminieren.
Lexikographische Ordnung auf Strings.
Satz: Die lex. Ordnung terminiert gdw die zugrundeliegende Ordnung
terminiert.
- Multimengenordnung
Multimengen und die Multimengenordnung von Dershowitz und Manna.
Satz: Die Multimengenordnung termiert gdw die zugrundeliegende Ordnung
terminiert.
- Konfluenz
Satz: Halbkonfluenz = Konfluenz.
Satz: Termination & Lokale Konfluenz => Konfluenz.
Satz: Starke Konfluenz => Konfluenz.
- Termersetzung
- Terme und Substitutionen
Signaturen, Terme, Positionen in Termen, Subterme an Positionen,
Ersetzung von Subtermen, Substitutionen, Komposition von Substitutionen.
- Termersetzung und Gleichungslogik
Identitäten, Termersetzung ($\to_E$), Gleichungslogik ($=_E$);
- Gleichungsprobleme
Wortproblem, Unifikation, Matching.
- Wortproblem
Unentscheidbar für kombinatorische Logik;
entscheidbar für konvergente TRS.
- Syntaktische Unifikation
Grundbegriffe: Quasiordnung auf Substitutionen,
allgemeinster Unifikator, Idempotenz.
- Unifikation durch Transformation
- Unifikation von Termgraphen
Von einem exponentiellen zu einem quasilinearen Algorithmus.
- Termination von Termersetzungssystemen
- Termination ist unentscheidbar
Reduktion des uniformen Halteproblems von Turingmaschinen
auf das Terminationsproblem von TRS.
- Einige (un)entscheidbare Teilklassen
Entscheidbar falls rechts keine Variablen.
Unentscheidbar schon für eine Regel (ohne Beweis).
Falls alle Funktionen einstellig, dann schon mit 3 oder mehr Regeln
unentscheidbar (ohne Beweis); offen für 1 oder 2 Regeln.
- Reduktionsordnungen
Ein TRS terminiert gdw es in einer Reduktionsordnung enthalten ist.
- Die Interpretationsmethode
Interpretation mit monotone Funktionen liefert eine Reduktionsordnung.
Anwendung: Polynomordnungen.
- Vereinfachungsordnungen
Satz: Jede Vereinfachungsordnung ist eine Reduktionsordnung
(Beweisskizze unter Verwendung von Kruskals Theorem).
- Lexikographische Pfadordnung
Satz: Die LPO ist eine Vereinfachungsordnung (ohne Beweis).
Satz: Ist die Ordnung auf der Signatur total,
dann ist die LPO auf Grundtermen total (ohne Beweis).
- Konfluenz von Termersetzungssystemen
Satz: Im allgemeinen unentscheidbar.
- Kritische Paare
Das Kritische Paar Lemma. Korollar:
Konfluenz ist entscheidbar für endliche terminierende TRSs.
- Vervollständigung von Termersetzungssystemen
Beispiel: Gruppen. Transformationsregeln zur Vervollständigung.
Imperative Version.
Entscheidbarkeit des Wortproblems für endliche Mengen von
Grundidentitäten mit Hilfe von Vervollständigung.
- Orthogonale TRSs
Satz: Orthogonale TRSs sind konfluent.
Beweis mit paralleler Reduktion.
Anwendung: Funktionale Programme sind konfluent.
- Kombinationsprobleme
- Kombination von Termersetzungssystemen
Satz: Konfluenz ist modular (ohne Beweis).
Lemma: Lokale Konfluenz ist modular.
Korollar: Konfluenz ist modular für terminierende TRSs.
- Kombination von Algorithmen
Satz: Ist das Wortproblem für E0 und E1 entscheidbar
und sind die Signaturen von E0 und E1 disjunkt,
dann ist auch das Wortproblem für E0 vereinigt mit E1 entscheidbar
(ohne Beweis!)
- E-Unifikation (Skizze)
- Ausblick
Eine Vorlesung pro Woche wird auf Englisch gehalten.
Hörerkreis: Studierende der Informatik und Mathematik
Voraussetzungen: Vordiplom. Hilfreich aber nicht notwendig: Logik.
Empfehlenswert für:
alle Studierenden, die sich für die logischen Grundlagen der Informatik
und Mathematik interessieren. Daher besonders als Ergänzung zu den
Vorlesungen Logik und Semantik zu empfehlen.
Skript:
Inzwischen ist das folgende Buch
erschienen, an dem sich die Vorlesung sehr stark orientiert:
Franz Baader and Tobias Nipkow. Term Rewriting and All That.
Cambridge University Press.
Weitere Literatur:
- Übersichtsartikel:
- N. Dershowitz and J.-P. Jouannaud. Rewrite Systems. In J. van Leeuven
(editor), Formal Models and Semantics, Handbook of Theoretical
Computer Science, Vol. B, pages 243-320. Elsevier - The MIT Press, 1990.
- J. W. Klop. Term Rewriting Systems. In S. Abramsky and D.M. Gabbay and
T.S.E. Maibaum (editors), Handbook of Logic in Computer Science,
Vol. 2, pages 2-116. Oxford University Press, 1992.
- Weitere Lehrbücher:
- J. Avenhaus. Reduktionssysteme. Springer-Verlag, 1995.
- R. Buendgen. Termersetzungssysteme. Theorie, Implementierung,
Anwendung. Vieweg, 1998.
-
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Sprechstunde: S2233, nach Vereinbarung.
Tobias Nipkow, 19.11.97